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Vor ein paar Tagen hat mein liebster Ex-Kollege M. bei Facebook und auf seinem Blog Sprachrhythmus zu einer Blogparade aufgerufen. Beschreibe dein liebstes Ding. Ich habe zwar keine Ahnung, ob ich die Abgabefrist noch einhalten kann – aber mitmachen will ich trotzdem. Ich habe ein Lieblingsding. Es ist ein kleines Stück Schmuck. Von sich aus – also materiell gesehen – wohl eher wertlos, aber emotional, eines der wichtigsten Dinge, das ich besitze: Ein Armband. Ein inzwischen sogar kaputtes Armband. Ein Armband, das viele Jahre recht lieblos in einer Schublade versteckt verbracht hat, weil ich es nicht mehr verlieren wollte. Ein Armband, das die letzte Erinnerung an meinen Vater ist. Ein Armband, das wir – gemeinsam mit einem ganz ähnlichen Zweiten – nach seinem Tod in seiner Wohnung gefunden haben. Ein Erbstück. Ein posthumes Geschenk. Eine Erinnerung.

Neben der Erinnerung an meinen lieben Papi, verbinde ich mit diesem Armband – recht unscheinbar übrigens – silbrig mit grün-bläulich-schimmernden Steinen (einige fehlen auch schon 😦 ) zum einen einen großen Verlust mit nachträglichem Wunder und große Freude und das Gefühl der Geborgenheit.

Vielleicht zuerst das Verlust-Wunder. Als solches kann man es wirklich bezeichnen. Ganz am Anfang – vor fast 17 Jahren also – ich muss etwa 14 Jahre alt gewesen sein, habe ich es jeden Tag getragen. Papi sollte bei mir sein. Und dann: der schwarze Tag. Ich habe es in der Schule getragen und dann, plötzlich – ich glaube nach der ersten Pause – merkte ich es. Das Armband war nicht mehr da. Hing nicht mehr an meinem rechten Handgelenk. Schimmerte mich nicht mehr an, wenn ich es in die Sonne hielt. Ich schaute unter meinem Tisch nach, unter dem Stuhl, in der Tasche, zwischen Heften und Büchern, räumte mein Schlamperl aus, drehte es auf links … Aber nichts: Ich hatte es verloren. Die kommende Unterrichtsstunde zog an mir vorbei – heute weiß ich nicht einmal mehr, welches Fach es damals war. Ich schätze mal Mathe – war immer doof – würde also passen 😉 Ich hatte nur einen Gedanken: Ich musste zum Hausmeister. Meinen Verlust melden. Mein wertvollster Besitz war weg.

„Armband?“ Habe ich nicht, sagte unser Hausmeister später zu mir. „Kriegste bestimmt auch nicht wieder. Aber ich kann ja mal gucken“ – DANKE. Genau das wollte ich hören. Die Stunden und zwei weitere Tage vergingen – und dann plötzlich – als ich während einer weiteren Unterrichtsstunde – vermutlich Religion (fand ich gut und passt zum Wunder) war es wieder da. Als ich nach einem Stift in meinem Schlamperl kramte, hielt ich es plötzlich in der Hand. UNGLAUBLICH. Bis heute weiß ich nicht, wie es dort wieder reingekommen ist. Und ganz ehrlich? Es ist mir auch total egal! Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich es dann gut verstaut und eine Ewigkeit – mehr als ein halbes weiteres Leben lang – nicht mehr getragen. Bis zum letzten Jahr. Auch wenn es nicht mehr ganz heil war, es hatte seinen großen Auftritt zu meiner Hochzeit. Etwas Altes. Braucht man doch. Ich hatte mein kleines Wunder und die Erinnerung an meinen Vater dabei – an diesem wunderschönen Tag.

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